Marketing II

Marketing ist nicht nur „Werbung machen“ oder ab und zu in der Zeitung stehen. Marketing bedeutet vielmehr, die eigene Leistung hervorzuheben, um das Vertrauen der Kunden zu stärken. Daher ist es wichtig, sich vorerst selbst im Klaren zu sein, wofür Sie stehen. Eine Vision zu haben. Eine Vision, mit der sich Ihre Kunden identifizieren können. Nehmen wir zum Beispiel ein Pflegeheim. Die Vision könnte sein: „Die Bewohner mit einem schmackhaften und gesunden Essen zu verwöhnen“

Wie lässt sich dies vermarkten?

Schmackhaft.

Sie brauchen schmackhafte Produkte. Z.B.: Tomaten sind nicht gleich Tomaten. Bei den rund 350.000 Paradeissorten, die es weltweit gibt, sind schmackhafte und weniger schmackhafte darunter. Eine sonnengereifte Tomate, direkt vom Strauch gepflückt, schmeckt besser als eine Tomate, die in Holland grün gepflückt wurde und nach zwei Wochen Transport und Lagerung erst (halb-)rot erhältlich ist.

Also, suchen Sie eine Tomatensorte, die besonders schmackhaft ist und rot gepflückt worden ist. Als nächsten Schritt teilen Sie das Ihren Bewohnern mit. „Neu eingetroffen! Die Tomate „Lisi“, eine besonders fruchtige Tomatensorte aus den Burgenland.

Das Gleiche können Sie mit jeder Gemüseart, Fleisch- oder Fischart machen. Suchen Sie immer nach dem geschmacksvollsten Produkt und teilen Sie das Wissen mit Ihren Kunden.

Ob etwas schmackhaft ist hat viel mit den Talenten und Begabungen Ihrer Küchenmannschaft zu tun. Daher sollte Sie dieses Talente ebenso vermarkten. „Unser Koch Hans Meier, Spezialist für Suppen und Saucen, hat eine besondere Haussuppe entworfen, die jetzt auch im Glas erhältlich ist. Zum Verschenken oder als kleine Abendmahlzeit.“

Vermarkten können Sie alle Zubereitungsarten z.B. Niedertemperatur kochen, oder die Verwendung von frischen Kräutern, oder die Expertise des Konditors. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig.

Gesund

Ist ein Schweinsbraten mit Kartoffelkrokketten und Sauerkraut gesund? Nicht wenn das Schwein aus einer Massentierhaltung kommt. Vollgestopft mit Antibiotika, Hormonen, Wasser, Schwefelrückständen und dergleichen. Obendrein ist diese Haltungsform auch ungesund für die Umwelt. Wenn die Kartoffelkroketten aus dem Tiefkühler stammen, mit vergleichsweise wenig Nährstoffen und das Sauerkraut aus einem Packerl stammt. Importiert aus dem Ausland und verfeinert mit Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen? Ist das gesund? Nein. Denn es geht auch anders. Ihre Bewohner müssen nicht auf ihren geliebten Schweinsbraten verzichten. Kaufen Sie Schweinefleisch von einem Bauern, der noch glückliche Schweine züchtet. Die gibt es. Sie müssen ein bisschen suchen und Sie werden vielleicht etwas mehr zahlen oder auch nicht. Aber um Ihre Vision auch zu leben, müssen Sie ehrlich sein. Kartoffelkroketten können selber gemacht werden. Benützen Sie dazu heimische Spezialsorten. Das Sauerkraut bestellen Sie ebenfalls in der Region und am besten gleich vom Fass. Solche Kartoffeln und auch das Sauerkraut sind reich an Vitamin C und daher sehr gesund. Hinzu kommt ein glückliches Schwein, dessen Verzehr nicht nur bekömmlicher ist, sondern auch das Gewissen beruhigt.

Jedes einzelne Produkt und dessen Zubereitung können Sie vermarkten. Gehen Sie Ihren Speiseplan durch und stellen Sie bei jeder Komponente die Frage: Ist das absolut schmackhaft und gesund? Oder gibt es noch ein köstlicheres und gesünderes Produkt am Markt? Lässt sich das noch besser zubereiten? Und wie sage ich es meinen Kunden?

Geld

„Das ist alles sehr teuer, das bezahlt mir niemanden!“ Das ist ein weit verbreiteter Glaubenssatz und meistens eine Ausrede, um untätig bleiben zu können. Kleine lokale Bauern lassen sehr gerne über den Preis mit sich reden. Sie könnten Ihm beispielsweise anbieten, das ganze Schwein von ihm zu kaufen. Oder Sie vereinbaren eventuelle Nebenprodukte wie Schinken, Grammelschmalz oder Leberpasteten von ihm zu beziehen. Gesund heißt nicht unbedingt teuer. Und wenn es teuerer ist, kommt es der Gesundheit Ihrer Heimbewohner und Mitarbeiter zugute: Weniger Krankenstände, weniger Medikamente und mehr Energie. Auch lassen sich viele Produkte noch zusätzlich, zu einem angemessenen Preis verkaufen (siehe auch das „Glas Suppe“ in dem Beispiel von vorhin). Seien Sie kreativ, es lohnt sich bestimmt.

Wenn Sie Ihre Absicht und Vision auch tatsächlich leben und vermarkten, werden Sie immer erfolgreich sein. Sie werden mehr Spaß haben und von allen Seite Lob und Anerkennung ernten.

Über Peter Paul van Melle

Peter Paul van Melle ist gebürtiger Holländer und arbeitet als Coach, Berater, Buchautor, Seminarleiter in Österreich und dem deutschsprachigen Raum. Bekannt gemacht haben ihn die Umsetzung seiner Visionen: Die Kessel-Methode, der ÖKO-Faktor und die Online Software MyKessel3.0. Seit über 40 Jahren ist Peter van Melle international aktiv; in der Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Sein erstes Buch erschien 2002, „Die Macht der Mitarbeiter“. In 2012 brachte er „Die neue Arbeitswelt 2012 und danach…“ heraus. Als gefragte Redner auf Kongresse und Veranstaltungen begeistert er seinen Zuhörer nachhaltig. Mehr unter www.pemcon.at
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